Minoische Kultur Geschichte

Lehrer BildNach dem mythischen König Minos wird die bronzezeitliche Kultur Kretas als minoisch, kretisch-minoisch oder kretominoisch bezeichnet. Die etwa gleichzeitige Kultur des griechischen Festlandes wird als helladische Kultur bezeichnet. Die minoische Kultur ist die früheste Hochkultur Europas. Ihre älteste Phase, Frühminoisch I verläuft parallel zur ersten bis vierten Dynastie Ägyptens.

Übersicht, Genaueres siehe unter Chronologie und Periodisierung:

  • Frühminoische Zeit von ca. 2600 bis 1900 v. Chr.
  • Mittelminoische Zeit von ca. 1900 bis 1600 v. Chr.
  • Spätminoische Zeit, von ca. 1600 bis 1450 v. Chr.

Einordnung

Die Entdeckung der Mykenischen und Minoischen Kultur veränderten das Verständnis über die griechische Antike. Deren eigentlichen Beginn setzten Althistoriker bis dahin mit dem Aufkommen einer griechischen Schriftkultur in archaischer Zeit an. Für Erkenntnisse über die griechische Vorzeit wurde in der Regel die griechische Mythologie herangezogen.[1] Die Ausgrabungen von Heinrich Schliemann in Mykene inspirierten ein Vierteljahrhundert später den Archäologen Sir Arthur Evans zu Ausgrabungen auf Kreta. Evans konzentrierte sich auf Knossos, einem Ort, an dem bereits kleinere, aber nicht systematisch durchgeführte Grabungen stattgefunden hatten. Ab dem Jahr 1900 brachte er die Überreste des sogenannten Palastes von Knossos ans Tageslicht und initiierte auf eigene Kosten einen teilweisen Wiederaufbau des Komplexes. Evans brachte den Ort in Verbindung mit den mythischen Geschichten um König Minos. Auf Evans Interpretation dieser Geschichten gehen unter anderem die Vorstellungen von einem sakralen Königtum und einer betont friedlichen „minoischen“ Gesellschaft zurück.[2] Von der Existenz einer eigenständigen Kultur auf Kreta war der Historiker und Altphilologe Karl Hoeck bereits 1828 überzeugt und so betitelte er den zweiten Band seines Kreta-Werkes „Das Minoische Kreta“.[3]

Die Minoische Kultur wird, wie die Mykenische, zu den sogenannten Palastkulturen gezählt. Die Forschung versteht unter minoischen Palästen architektonische Großanlagen, die um einen zentralen Innenhof erbaut wurden. Die Paläste vereinten in sich viele verschiedene Funktionen: Sie dienten religiösen Kulten, der Verwaltung, Lagerung und Produktion von Gütern.[4] Welche Rolle und Bedeutung sie in der minoischen Gesellschaft spielten, ist umstritten. Arthur Evans hielt den Palast von Knossos Anfang des 20. Jahrhunderts für den Sitz eines Priesterkönigs. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Paläste dann als Zentren der sogenannten Redistribution angesehen, als lokale Lagerstätten, die die Umverteilung von Gütern an die Bevölkerung organisiert hätten. Diese These gilt inzwischen als überholt, da die Lagerkapizitäten der Paläste für eine solche Funktion wohl nicht ausreichten. Außerdem lässt sich die überlieferte Nutzung der mykenischen Paläste nicht ohne Weiteres auf die älteren minoischen Anlagen übertragen.[5]

Aktuell gibt es drei zentrale Theorien zur gesellschaftlichen Bedeutung/Nutzung der Paläste: Die erste These sieht in der Architektur Hinweise auf eine Herrschaftsfunktion. Ob diese Herrschaft von einer elitären Gruppe oder einem einzelnen Herrscher ausging, bleibt unsicher. Für die Herrschaftsthese sprechen beispielsweise die beengten Zugänge der Paläste, die sich vermutlich leicht blockieren ließen– ein mögliches Indiz für die höfische Abgrenzung einer Elite oder eines Herrschers. Auch die hohe Westmauer des Palastes von Knossos grenzte sich wohl architektonisch deutlich von der Siedlung ab. Die zweite These geht von einer öffentlich-kommunalen Nutzung aus. In den Palästen hätten also politische oder religiöse Zusammenkünfte einer Siedlungsgemeinschaft stattgefunden.[6] Die dritte These beruft sich auf eine Beeinflussung der minoischen Paläste durch Vorbilder im Nahen Osten, wo Palast und Tempel baulich voneinander getrennt waren. In der Nähe der Paläste von Knossos und Malia wurden bereits mehrere Ruinen entdeckt, bei denen es sich um Residenzen gehandelt haben könnte. Dementsprechend seien die Paläste tempelähnliche Anlagen gewesen, in denen selbst keine Elite oder Herrscher residierten.[7] Zu den wichtigsten archäologischen Stätten des bronzezeitlichen Kreta gehören neben Knossos die Paläste von Phaistos und Malia sowie der Landsitz von Agia Triada.

Mythos

Da der Minoischen Kultur ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der griechischen Welt gebührt, hat sie indirekt einen Einfluss auf kretische Sagen innerhalb der Griechischen Mythologie ausgeübt.[8]

Zeus

Geburt des Zeus

Ein Beispiel für das Nachwirken der Minoischen Kultur in der griechischen Mythologie stellt der Zeus-Kult dar. Während die restliche griechische Welt die Vorstellung eines unsterblichen Göttervaters auf dem Olymp vertrat, blieb auf Kreta die Vorstellung lebendig, Zeus werde jährlich in der Unterwelt wiedergeboren. Der kretischen Überlieferung zufolge soll sich auf dem Berg Giouchtas das Grab des Zeus befinden. Arthur Evans wies dort bereits im Jahr 1909 ein Gipfelheiligtum nach. Ab 1974 erfolgten umfangreichere Grabungen auf dem Giouchtas. Dabei wurden unter anderem ein Altar sowie zwei Doppeläxte aus minoischer Zeit entdeckt. Die Funde deuten auf eine mögliche Opferstätte hin.[9]Votivgaben aus minoischer Zeit wurden auch in der angeblichen Geburtshöhle des Zeus, der sogenannten Idäische Grotte, gefunden. Diese Entdeckungen werden von Archäologen als Indiz dafür gewertet, dass die Geburt und der Tod des Zeus auf Kreta ihren Ursprung in religiösen Kulten gehabt haben könnten, die in minoischer Zeit in Gebirgshöhlen praktiziert wurden.[10][11]

Entführung der Europa

Eng mit dem minoischen Kult ist auch der Mythos von der Entführung der phönizischen Prinzessin Europa durch Zeus in der Gestalt eines Stiers verknüpft. Der Stier war vermutlich die Erinnerung an den minoischen Kult eines stiergestaltigen Gottes, der für Stärke und Potenz stand. Durch Funde sicher belegt ist jedoch nur, dass der Stier den Minoern als Opfertier diente.[12] Aus der Verbindung zwischen Europa und Zeus gingen drei Söhne hervor: Minos (der Namensgeber der Minoischen Kultur), Rhadamanthys und Sarpedon.

Herrschaft des Minos

Minos und der Stier des Poseidon

Um sich gegen seine Brüder in der Thronfolge Kretas durchzusetzen, soll Minos den Gott des Meeres, Poseidon darum gebeten haben, ihm ein Opfertier zu senden.[13] Mit diesem göttlichen Zeichen des Poseidon, einem weißen Stier, gelang es Minos sich als König zu etablieren. Eine Legitimation der herrschenden Elite durch die Götter kann womöglich auch historisch bestanden haben- etwa in Form einer Priesterherrschaft oder tatsächlich eines Priesterkönigtums, wie es die griechische Mythologie behauptet. Die minoischen Paläste weisen zahlreiche religiöse Elemente auf, wobei die Westflügel dem Kult der Fruchtbarkeitsgottheit geweiht gewesen sein könnten.[14] Die griechischen Geschichtsschreiber Herodot und Thukydides berichten, dass König Minos einst die Meere beherrscht (siehe dazu Thalassokratie) und ganze Kolonien auf ägäischen Inseln und an der kleinasiatischen Küste begründet habe.[15] Ein politischer und ökonomischer Einfluss der Minoer im Bereich der Ägais und des Festlandes (vor allem auf Thera, in Theben, Lakonien und Messinien) ist durch vielfältige archäologische Funde tatsächlich unbestreitbar. In der Forschung ist jedoch umstritten, in welchem Maße die Minoer politische und verwaltungstechnische Kontrolle außerhalb Kretas tatsächlich ausüben konnten. Problematisch ist dabei vor allem der Begriff der „Kolonien“. So wurde in Thera bisher kein Verwaltungsgebäude entdeckt, in dem Siegelabdrücke zu erwarten wären. In anderen Gebieten außerhalb Kretas tauchen minoische Schriftzeichen der Linear A-Schrift ungewöhnlich selten auf. Es kann daher angenommen werden, dass die „Kolonien“ überwiegend Handelsstationen waren und nur sehr eingeschränkt eine politische Rolle spielten.[16]

Kretischer Stier

Die Weigerung des Minos, den kretischen Stier zu opfern, kann mit der Weigerung erklärt werden, gegen die Sitte der unblutigen Opfer zu verstoßen, die auf Kreta herrschte. Allerdings sind bereits am Ende der Zeit der Alten Paläste (um 1700 v. Chr.) blutige Stieropfer für Kreta bezeugt.[17]

Chronologie und Periodisierung

Chronologie und Periodisierung der minoischen Kultur sind bis heute mit Problemen verbunden, was zum Teil daran liegt, dass Archäologen und Sprachwissenschaftler die Linear A-Schrift der Minoer, anders als die altägyptischen Hieroglyphen, bisher nur in Ansätzen entschlüsseln konnten, zudem die benutzte Sprache unbekannt ist. Somit sind Datierungen, wie bei der Ägyptologie auf Grundlage von Königslisten, nicht möglich, zumal im überlieferten Linear-A-Material keine derartigen Listen zu identifizieren sind. Sir Arthur Evans stützte sich bei seiner Periodisierung daher vor allem auf stratifizierte Keramikfunde und den Umstand, dass Gefäße aus gebranntem Ton in relativ kurzen Zeiträumen stilistischen Veränderungen unterworfen sind. Die Objekte befanden sich häufig noch in intakten Kulturschichten, die sich mit der Zeit übereinander ablagerten und jeweils einer Zeit zugeordnet werden konnten. Evans unterschied drei Epochen: die sogenannte Frühminoische, die Mittelminoische und die Spätminoische. Diese Phasen unterteilte er in feinere Abschnitte (I, II und III), zudem in eine frühe und eine späte Phase (a und b).[18] Ägyptische Beifunde, die sich relativ genau zeitlich einordnen lassen, führten zu ersten Synchronisationen mit der ägyptischen Chronologie, was durch Handelsobjekte aus Kreta in altägyptischen Fundzusammenhängen eine Stütze findet. Schon 1909 erstellte Diedrich Fimmen eine synchronistische Tabelle für die „kretisch-mykenische Kultur“ in Bezug zur ägyptischen Chronologie.[19] Einzelne historische Ereignisse des minoischen Kreta können jedoch weder aus der Keramik noch aus ägyptischen Funden rekonstruiert werden. An Entwicklungen und Zäsuren lassen sich lediglich die Bildung von palatialen Zentren, das Erscheinen der Schrift sowie die Zerstörungen der Paläste nachweisen.[20] So richtete sich die 1958 auf dem V. Internationalen Kongress für Vor- und Frühgeschichte in Hamburg vorgestellte Klassifizierung des griechischen Archäologen Nikolaos Platon nach den Bauphasen der minoischen Paläste. Dabei werden vier Phasen unterschieden: Vorpalastzeit, Alte Palastzeit (Zeit der alten Paläste), Neue Palastzeit (Zeit der neuen Paläste) und Nachpalastzeit (Zeit nach der Zerstörung des Palastes von Knossos). Nachfolgende Tabelle stellt die Chronologien von Evans und Platon in Bezug zu den ägyptischen Dynastien gegenüber:[21]

System von Evans Chronologie v. Chr. Ägyptische Dynastien System von Platon Chronologie v. Chr.
Neolithische Epoche bis 2700 2.–3. Dynastie Neolithische Epoche bis 2600
Frühminoisch I 2600 – 2400 4. Dynastie Vorpalastzeit I 2600 – 2400
Frühminoisch II 2400 – 2200 5.–6. Dynastie Vorpalastzeit II 2400 – 2100
Frühminoisch III 2200 – 2000 6.–10. Dynastie Vorpalastzeit III 2100 – 1900
Mittelminoisch I 2000 – 1900 11. Dynastie Ältere Palastzeit I 1900 – 1850
Mittelminoisch II 1900 – 1700 12. Dynastie Ältere Palastzeit II 1850 – 1800
Mittelminoisch III 1700 – 1600 13.–17. Dynastie Ältere Palastzeit III 1800 – 1700
Spätminoisch I 1600 – 1450 18. Dynastie Neuere Palastzeit I 1700 – 1600
Spätminoisch II 1450 – 1400 18.–20. Dynastie Neuere Palastzeit II 1600 – 1500
Spätminoisch III 1400 – 1100 20.–21. Dynastie Neuere Palastzeit III 1500 – 1450
      Nachpalastzeit I 1450 – 1320
      Nachpalastzeit II 1320 – 1260
      Nachpalastzeit III 1260 – 1150
Subminoisch 1100 – 1000   Subminoisch 1150 – 1000

Die absolute Datierung der Epochen ist ungesichert und wird weiter diskutiert. Wichtigste Anhaltspunkte für die zeitliche Einordnung sind „Keftiu-Exporte“ nach Ägypten und umgekehrt sowie die Datierung der minoischen Eruption der Vulkaninsel Thera. Hier stehen sich derzeit die traditionelle, an der Chronologie Ägyptens orientierte Chronologie (zirka 1550/00) und eine 14C-Datierung eines Olivenastes mit 1628 bis 1600 v. Chr. gegenüber.[22][23][24] War der Ast jedoch bereits selbst 100 Jahre alt, bleibt es bei der alten Datierung; wenn nicht, sind einige Zeitstufen des Mittel- und Spätminoikums zu verschieben, insbesondere wären der Beginn der Stufen SM IA und SM IB und das Ende von MM III ein Jahrhundert früher anzusetzen. Die Synchronisation mit der ägyptischen Chronologie (siehe oben) kommt nach Ansicht vieler Forscher mit den traditionellen niedrigen Daten besser zurecht.[25]

Die folgende Tabelle gibt die Datierungen annäherungsweise an. Die beiden Hauptauffassungen, die traditionelle niedrige und die neuere hohe Datierung, weichen zwischen 2100 v. Chr. und 1370 v. Chr. voneinander ab.[26]

Periodisierungen nach Evans und Platon 
Arthur Evans Nikolaos Platon niedrige Datierung hohe Datierung
Frühminoisch Vorpalastzeit    
FM I 3300–2700 v. Chr. 3300–2700 v. Chr.
FM II 2700–2300 v. Chr. 2700–2300 v. Chr.
FM III 2300–2100 v. Chr. 2300–2100 v. Chr.
Mittelminoisch     
MM I A 2100–1900 v. Chr. 2100–2000 v. Chr.
MM I B Altpalastzeit 1900–1800 v. Chr. 2000–1900 v. Chr.
MM II 1800–1700 v. Chr. 1900–1800 v. Chr.
MM III A 1700–1650 v. Chr. 1800–1750 v. Chr.
MM III B Neupalastzeit 1650–1600 v. Chr. 1750–1700 v. Chr.
Spätminoisch     
SM I A 1600–1480 v. Chr. (Thēra 1550 v. Chr.) 1700–1580 v. Chr. (Thēra 1628 v. Chr.)
SM I B 1480–1430 v. Chr. 1580–1490 v. Chr.
SM II Dritte (kretomykenische) Palastzeit
(nicht nach Platon, nachträglich eingefügt)
1430–1390 v. Chr. 1490–1430 v. Chr.
SM III A1 1390–1370 v. Chr. 1430–1370 v. Chr.
SM III A2 Nachpalastzeit  1370–1320 v. Chr. 1370–1320 v. Chr.
SM III B 1320–1190 v. Chr. 1320–1190 v. Chr.
SM III C 1190–1100 v. Chr. 1190–1100 v. Chr.
Subminoisch      
Subminoisch 1100–1000 v. Chr. 1100–1000 v. Chr.

Nach der niedrigen Datierung besteht folgende Synchronisation mit Ägypten:

Kreta Zypern Griechisches Festland  Ägypten
MM I B, Altpalastzeit MC I B MH I Amenemhet II. bis Nofrusobek (12. Dynastie)
MM II, Altpalastzeit MC II MH II Wegaf / Sobekhotep I. bis Jaib (13. Dynastie)
MM III A, Altpalastzeit MC III A MH II Aja I. bis Hori (13. Dynastie)
MM III B, Neupalastzeit  MC III B MH III (Schachtgräber) Zweite Zwischenzeit (1648 bis 1550 v. Chr.)
SM I A, Neupalastzeit LC I A SH I Ahmose I. bis Thutmosis II. (18. Dynastie)
SM I B, Neupalastzeit LC I B SH II A Hatschepsut, Thutmosis III. (18. Dynastie)
SM II LC II SH II B Amenophis II., Thutmosis IV. (18. Dynastie)
SM III A1 LC III SH III A1 Amenophis III. (18. Dynastie)
SM III A2 LC III SH III A2 Echnaton bis Tutanchamun / Eje II. (18. Dynastie) 
(Amarnazeit 1343–1331 v. Chr)

Mit der hohen Datierung verschiebt sich die Synchronisierung mit Ägypten wesentlich – vorausgesetzt man hält an den traditionellen Daten der ägyptischen Chronologie fest und datiert minoische Funde der betroffenen minoischen Zeitstufen auch relativ zur ägyptischen Chronologie früher:

Kreta Zypern Griechisches Festland  Ägypten
MM I B, Altpalastzeit MC I B MH I Amenemhet I. bis Amenemhet II. (12. Dynastie)
MM II, Altpalastzeit MC II MH II Sesostris II. bis Nofrusobek (12. Dynastie)
MM III A, Altpalastzeit MC III A MH II Wegaf / Sobekhotep I. bis Sechemrechuitaui (13. Dynastie) 
MM III B, Neupalastzeit  MC III B MH III (Schachtgräber) Sehetepibre bis Aja I. (13. Dynastie)
SM I A, Neupalastzeit LC I A SH I Zweite Zwischenzeit (1648 bis 1550 v. Chr.)
SM I B, Neupalastzeit LC I B SH II A Ahmose I., Amenophis I., Thutmosis I. (18. Dynastie)
SM II LC II SH II B Thutmosis II., Hatschepsut, Thutmosis III. (18. Dynastie)
SM III A1 LC III SH III A1 Amenophis II. bis Amenophis III. (18. Dynastie)
SM III A2 LC III SH III A2 Echnaton bis Tutanchamun / Eje II. (18. Dynastie)
(Amarnazeit 1343–1331 v. Chr)

Nach neueren Erkenntnissen ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass die Thera-Eruption bereits während der Zweiten Zwischenzeit stattfand. Neuere Befunde, vor allem bei der Erforschung von Auaris, scheinen die „traditionelle“ relative Synchronisation der minoischen Zeitstufen zur Ägyptischen Chronologie zu bestätigen.[27]

Steinzeit

Die Steinzeit bildet die lange Periode der Vorgeschichte des minoischen Kreta. Dieser Zeitabschnitt ist durch die Herstellung und Nutzung von Steinwerkzeugen charakterisiert und wird von der Forschung in drei weitere Epochen unterteilt: Paläolithikum (Altsteinzeit), Mesolithikum (Mittelsteinzeit) und Neolithikum (Jungsteinzeit)(siehe dazu die Tabelle zur "Steinzeit auf Kreta") . Kreta wurde wahrscheinlich erstmals im Paläolithikum von Menschen besiedelt. Bei Plakias (Preveli, Schinaria, Kotsifou) im Regionalbezirk Rethymno wurden Werkzeuge aus Stein, Knochen und Hörnern gefunden, die ein Alter von zum Teil mehr als 130.000 Jahren aufweisen.[28][29][30] Da Kreta letztmals während der Messinischen Salinitätskrise bis vor über 5 Millionen Jahren mit dem griechischen Festland verbunden war,[29][31] müssen die Menschen mit einfachen Schiffen oder Flößen übergesetzt sein. Versteinerungen von Hirschen, Zwergelefanten, Zwergmammuts, Zwergflusspferden und Nagetiere belegen, dass es ein reiches Beutespektrum für Jäger und Sammler gab. Die Zwergelefanten starben auf Kreta erst vor etwa 13.000 Jahren aus.[32]

Im Mesolithikum lassen sich erste Hütten in Trypiti und Rousses bei Iraklio nachweisen. In Asfendos bei Sfakia sind Höhlenmalereien aus dem Mesolithikum und dem Neolithikum erhalten. Mit den Veränderungen der Jungsteinzeit, nämlich dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, gingen Sesshaftigkeit und die Errichtungen von Siedlungen einher. Interessanterweise belegen die Höhlenmalereien von Asfendos mit ihren Abbildungen von Hörnerwild, dass wohl beide Lebensformen, die des Jägers und Sammlers einerseits und die des Landwirten andererseits, einen kurzen Zeitraum über parallel nebeneinander existierten.[32]

Die Landwirtschaft wurde wahrscheinlich zwischen dem 8. und 4. Jahrtausend v. Chr. von seefahrenden Clans der kleinasiatischen Halbinsel nach Kreta gebracht. Nach dort hatte sich die neolithische Agrarkultur vom sogenannten fruchtbaren Halbmond ausgebreitet. Dort hatten sich Tierhaltung, Landwirtschaft und das Leben in dauerhaften Siedlungen bereits Mitte des 9. Jahrtausends erstmals herausgebildet. Seit dem Neolithikum lassen sich auf Kreta auch Tongefäße nachweisen, denn mit der Sesshaftigkeit des Menschen waren schwere und zerbrechliche Gefäße zum Lagern, Kochen und der Aufnahme von Lebensmitteln gefragt. Neolithische Schichten lassen sich in Knossos, Phaistos, Gortyn, Katsambas, Mangasas bei Sitia, in Phourni bei Merambello, in der Eleithyia-Höhle bei Amnisos, in Ierapetra und in Höhlen auf der Halbinsel Akrotiri bei Chania nachweisen.[33]

Steinzeit auf Kreta
Paläolithikum (Altsteinzeit) 130000 – 9000 v. Chr.
Mesolithikum (Mittelsteinzeit) 9000 –7000 v. Chr.
Neolithikum (Jungsteinzeit)

Präkeramisches Neolithikum (Vorkeramische Jungsteinzeit)

Älteres Neolithikum

Mittleres Neolithikum

Jüngeres Neolithikum

Ausgehendes Neolithikum

7000 – 3500 v. Chr.

7000–6500 v. Chr.

6500–5700 v. Chr.

5700–4800 v. Chr.

4800–3800 v. Chr.

3800–3500 v. Chr.[34]

Voraussetzungen für die Entstehung der Minoischen Kultur

Die Entstehung der Minoischen Kultur wurde durch geografische und geologische Faktoren begünstigt. Die Insel Kreta liegt an einer zentralen Stelle des östlichen Mittelmeerraumes und profitierte somit durch Kontakte zu den hochentwickelten Zivilisationen des Alten Ägyptens und Nahen Ostens. Die Lage zwischen den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika ließ dabei jedoch eine durchaus eigenständige Kultur auf dem bronzezeitlichen Kreta entstehen.

Kreta wird darüber hinaus von einer vielfältigen Landschaft auf relativ kleiner Fläche beherrscht; Gebirge, Meer und Ebenen. Das Meer bot die Möglichkeit zu reisen und mit den umliegenden Inseln und Ländern in Kontakt zu treten, zu fischen und Handel zu treiben. Die fruchtbaren Ebenen ermöglichten eine intensive landwirtschaftliche Nutzung und boten sich zur Errichtung von Dörfern und Städten an. Die Berge boten ein geeignetes Umfeld für die Jagd wie für die Tierhaltung und die Ausnutzung des Holzreichtums.[35]

Erste Siedlungen

In dem Zeitraum zwischen 7000 und 4800 v. Chr. lassen sich Siedlungen auf Kreta lediglich in Knossos nachweisen. Unterhalb der Ruinen des späteren minoischen Palastes wurden Reste von hölzernen Pfahlbauten ausgegraben, die aus dem Präkeramischen Neolithikum stammten. Verbrannte Samen, Knochen von Ziegen, Schafen, Schweinen, Rindern, Hunden und Hasen, aber auch erste Tier- und Menschenstatuetten zeugen von der stark zugenommen Produktivität der frühen kretischen Gesellschaft.[36] Manche Werkzeuge wie Klingen und Beschläge sind aus Obsidian gefertigt. Das vulkanische Glas kam im nahen Umkreis nur auf den Inseln Nisyros und Melos vor- ein Indiz, das auf erste seefahrende Fähigkeiten hinweist.[37]

In Knossos lässt sich mit dem Frühen Neolithikum erstmals auch Schmuck in Gestalt von Perlen und Halsbändern nachweisen. Solche Luxusgegenstände beweisen einen relativ hohen Lebensstandard der Bewohner. Die Zahl der gefundenen Statuetten, Werkzeuge und Gefäße stieg nun deutlich an. Mehr als 100 Menschen müssen bereits während des frühen Neolithikum in Knossos gelebt haben. Die Wände der Hütten wurden aus luftgetrockneten Ziegeln gebaut. Die Flachdächer bestanden aus mit Lehm abgedeckten Zweigen und beherbergten in der Regel zwei kleine, miteinander verbundene Räume. Die Hütten besaßen bereits Treppen, Abfallgruben und Herdstellen. Zunehmend wurden die Lehmfußböden der Häuser durch Kieselböden ersetzt.[36] Im Spätneolithikum besitzen die Hütten erstmals zahlreiche Räume. Bis um 3000 v. Chr. dehnt sich Knossos auf einer Fläche von 25000 Quadratmetern bei einer Einwohnerzahl von 2000 Menschen aus.

Werkzeuge

Die Verfeinerung des Werkzeuges war ein wichtiger Bestandteil des neolithischen Haushaltes. Werkzeuge wurden nun vermehrt zum Holzschneiden, zum Mahlen von Getreide, zum Schlachten des Viehs sowie für Web-, Leder- und Keramikarbeiten benötigt. Geschliffene Steinhammer, Äxte, Meißel, Mörser, Reibschalen, Mühlsteine, Klingen, Webgewichte, Wirteln und Schiffchen sind die typischen Funde aus dem neolithischen Kreta. Werkzeuge wurden vor allem aus Serpentingestein, Kalkstein und Schiefer hergestellt- Gestein, das auf Kreta weit verbreitet ist. Spateln, Spieße und Nadeln wurden aus den Knochen domestizierter Tiere wie Schafe und Ziegen gewonnen.[38]

Geschichtliche Entwicklung der Minoischen Kultur

Überblick

Um 3000 v. Chr. begann die kretische Bronzezeit. Ungefähr ein Jahrtausend später entstanden die sogenannten Paläste, wie sie in Knossos, Malia, Phaistos, Gournia, Galatas und Kato Zakros ausgegraben wurden. Um 1700 v. Chr. kam es wahrscheinlich durch ein Erdbeben zur Zerstörung dieser Paläste und zu einem anschließenden partiellen Wiederaufbau. Nach einer weiteren tektonischen Erschütterung etwa 100 Jahre später wurden die neuesten Paläste noch prächtiger ausgestaltet. Der Einfluss mykenischer Griechen ist in der Phase spätminoisch SM I B (s. o.) auf der Insel festzustellen. Wahrscheinlich kam es um 1430 v. Chr. zur Eroberung Kretas durch die Mykener und zur endgültigen Zerstörung der Paläste. Nur der Palast in Knossos wurde wieder aufgebaut. Dort etablierte sich eine helladische Herrscherschicht. Entweder um 1370 v. Chr. oder erst um 1200 v. Chr. brannte auch der jüngste Palast von Knossos.

Vorpalastzeit

Kretominoische Doppelaxt (Labrys)

Die Vorpalastzeit (zirka 3300–2000/1900 v. Chr.) ist durch eine starke Zunahme der Siedlungsdichte auf Kreta gekennzeichnet. Faktoren dafür waren vermutlich Bevölkerungswachstum und landwirtschaftliche Innovationen wie z. B. die sich in FM I vollziehende „Sekundärproduktrevolution“ (Andrew G. Sheratt),[39] d. h. die Nutzung von Tieren zu mehreren Zwecken.[40] In FM II etablierte sich darauf der häufigere Anbau von Feldfrüchten wie z. B. Oliven oder Trauben zur Herstellung von Wein.[41] Die Siedlungen sind meist kleine Dörfer, in denen fünf bis acht Familien (25–50 Personen) in aneinandergebauten Häusern wohnen. Die Art der Bebauung diente vermutlich der Verteidigung, so bilden die Häuser der Siedlung von Phornou Korphi eine geschlossene Fassade. In der Keramikproduktion tauchen neue Formen auf und es wird mit der Metallverarbeitung begonnen. Während der Phase FM III ist ein starker Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Mehrere Siedlungen werden aufgegeben. Die Ursachen sind unklar und die Funde dürftig. In der folgenden Epoche MM I kommt es wieder zu einem Aufschwung, auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht.

Vorpalastzeitliche Grabtypen differenzieren sich stark regional. Kuppelgräber (sog. Tholosgräber) finden sich hauptsächlich im Süden der Insel, insbesondere auf der Messara-Hochebene, wo 75 (auf der ganzen Insel sind es 95)[42] Gräber dieser Art nachgewiesen wurden. Etwa die Hälfte der datierbaren Tholoi aus dem Süden wurde auf FM I datiert. Zur gleichen Zeit gab es im Norden und Süden der Insel jedoch auch noch einfachere Bestattungen von mehreren Körpern in natürlichen Vorrichtungen wie Felsspalten. Eine Besonderheit stellt die stark kykladisch beeinflusste Nekropole von Agia Photia dar, denn hier wurden über 250 künstlich errichtete Höhlengräber gefunden, die beinahe ausschließlich aus FM I stammen. In FM II bleiben die Tholosgräber für die Messara-Ebene und ihre Umgebung weiterhin typisch, in Nordkreta setzt sich jedoch die Nutzung von rechteckigen Hausgräbern durch. Erwähnenswert ist das Gräberfeld von Phourni, in dem von FM II bis zum Ende des Minoikums in verschiedenen Grabtypen Personen beerdigt wurden. Grabbeigaben, wie z. B. in der Nekropole von Mochlos, weisen auf die Herausbildung gesellschaftlicher Eliten hin. Für die Perioden FM III und MM IA stellt Phourni die wichtigste Stätte dar. Ein weiteres Grabbeispiel für MMIA ist Chrysolakkos bei Malia. In der Phase MMIA endet die Bestattung in Tholosgräbern in der Messara-Region.[43]

Vorpalastzeitliche Handelskontakte bestehen vor allem mit den Kykladeninseln, aber auch mit Ägypten und zum Vorderen Orient, gegebenenfalls über Zypern.

Altpalastzeit

Ausgrabungsstätte von Monastiraki

In der Altpalastzeit (zirka 2000/1900–1700 v. Chr.) entstehen die ersten Paläste. Dabei handelt es sich um Gebäudekomplexe, die sich um einen rechteckigen Zentralhof gruppieren. Für die Altpalastzeit sind Paläste in Knossos, Malia, Phaistos und Petras nachgewiesen. In Kato Zakros ist ein Vorgängerbau des spätpalastzeitlichen Palastes nicht bekannt und es bleibt umstritten, ob schon ein frühpalastzeitlicher Palast bestanden hat, oder nicht.[44]

Im 17. Jahrhundert v. Chr. werden die Paläste durch ein Erdbeben zerstört, aber schnell wieder aufgebaut.

Neupalastzeit

Rekonstruktion in Knossos Ausgrabungen von Phaistos Palast von Zakros Spätminoische Baureste in Sybrita

Der Übergang zur Neupalastzeit (ca. 1700–1450 v. Chr.) ist also relativ harmonisch. Der Palast von Knossos wurde beim Wiederaufbau vergrößert, der Palast von Phaistos aufgrund von Einsturzgefahr an der Ostseite verkleinert. Die Periode zeichnet sich durch ihre hochentwickelte Architektur aus. Außerdem entsteht in der Neupalastzeit eine Zahl von Gebäuden, die regional eine wichtige Position innehatten, aufgrund eines fehlenden Zentralhofs jedoch nicht als Palast bezeichnet werden können und deshalb meistens als Villen bezeichnet werden.[45] Besonders herausragend unter ihnen ist die Villa von Agia Triada nahe bei Phaistos.

Dritte Palastzeit und Nachpalastzeit

Um 1450 v. Chr. sind überall auf Kreta Spuren von Bränden und Zerstörungen nachweisbar. Die Zerstörungen am Ende von SM I B erstreckten sich über mehrere Dekaden zwischen 1500 und 1430 v. Chr. und zogen sich möglicherweise über eine Generation hin, dabei im Westen der Insel früher als im Osten.[46] Diese sind wohl auf die Eroberung Kretas durch mykenische Festlandgriechen zurückzuführen, wofür auch das Aufkommen von Waffengräbern mykenischer Art auf Kreta spricht. Die palatialen Zentren wurden zerstört, lediglich Knossos (möglicherweise auch Kydonia) bestand bis kurz nach 1350 v. Chr. fort, offenbar als Sitz eines mykenischen Herrschers. Jedenfalls ist der Palast nach Ansicht des Großteils der Gelehrten zwischen 1375 und 1350 v. Chr. zerstört worden, wahrscheinlich jedoch etwas später.[47] Dementsprechend folgt eine „Dritte Palastzeit“ (etwa 1450–1330 v. Chr.) unter mykenischem Einfluss.

In der Nachpalastzeit (1330–1100 v. Chr.) besteht die minoische Kunst dennoch weiter. Während vorher die minoische Kultur die mykenische Kultur stark beeinflusst und vermutlich den Peloponnes erobert hat, verschmilzt nun Mykenisches und Minoisches. Allerdings bleiben auf Kreta typisch minoische Elemente bis zum Ende der Periode erhalten (teilweise mit Nachwirkungen in die archaische Zeit).

Andere Forscher sind allerdings der Meinung, die Datierung der in Knossos gefundenen Schrifttafeln auf zirka 1350 sei falsch und gehe auf Fehler des ersten Ausgräbers Evans zurück: Dieser habe versehentlich Geschirr, das aus einem älteren Gebäude gestammt habe, in denselben Kontext wie die Tafeln eingeordnet. Diese Linear-B-Tafeln – und damit die Zerstörung des Palastes von Knossos – seien in Wahrheit auf zirka 1200 zu datieren. Die Anhänger dieser Position gehen daher davon aus, dass Kreta um 1400 unter mykenische Kontrolle geriet, dass aber zumindest Knossos unter den neuen Herren noch knapp 200 Jahre lang geblüht habe.

Kreta war nun von Festlandgriechen beherrscht und wurde politisch Teil der mykenischen Welt. Mykenische Herrscher regierten in Knossos und eventuell auch in Kydonia. Die anderen ehemaligen minoischen Paläste wurden nie wieder bezogen. In der Zeit um zirka 1200 v. Chr. gab es auf dem Festland viele Zerstörungen und Umwälzungen, von denen auch Kreta nicht verschont blieb. Die minoisch-mykenische Kultur hielt sich noch bis zirka 1050 v. Chr.

Die Geschichte Kretas in den „Dunklen Jahrhunderten“ zwischen 1100 und 750 v. Chr. ist bis heute weitgehend unklar.

Theorien über den Untergang

Der Untergang der Minoer ist bis heute ungeklärt und bietet schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Stoff für Spekulationen. James Baikie veröffentlichte 1910 ein Buch, in dem erstmals der Ausbruch der Vulkaninsel Thera (Santorin) für das Ende der Minoer verantwortlich gemacht wird.[48] Der griechische Archäologe Spyridon Marinatos griff diese Idee 1939 auf und veröffentlichte seine Theorie, wonach der Ausbruch um das Jahr 1500 v. Chr. sämtliche minoischen Küstenstädte zerstört haben müsse.[49] Direkte Folgen der Thera-Eruption waren Tsunamis an der Nordküste Kretas, die Schäden an der minoischen Flotte und den Küstensiedlungen verursacht haben.[50] Zwischenzeitliche Annahmen, dass die Eruption zu schwach war, um nachhaltig die Kultur zu beeinträchtigen, wurden durch neuere Forschungsergebnisse widerlegt.[51][52] Sie kann den Untergang der Minoer jedoch nicht direkt herbeigeführt haben, da die minoische Kultur noch rund einhundert Jahre nach dem Ausbruch existierte (SM I B), neue Keramikstile hervorbrachte und Fernhandel trieb. Der Ausbruch und der ihn begleitende Tsunami wird auf ca. 1645 v. Chr. (± 20 Jahre) datiert.[53] Die archäologischen Funde sprechen jedoch gegen eine plötzliche Zerstörung der minoischen Kultur durch die Eruption.[54]

Dennoch muss die Eruption einen erheblichen Einfluss auf die minoische Welt gehabt haben. Daher wird die Möglichkeit diskutiert, dass die Thera-Eruption die minoische Kultur indirekt und langfristig schädigte.[55] Eine These stellt darauf ab, dass Thera die einzige Kykladeninsel war, die innerhalb einer Tagesreise von Kreta erreicht werden konnte. Da die Handelsschiffe der Bronzezeit nachts nicht fuhren, war Thera daher der zentrale Trittstein für die Verbindung zwischen Kreta und den Märkten im Norden. Die Zerstörung der Insel wirkte sich demnach indirekt auf den Handel aus.[56] Ein Netzwerkmodell des bronzezeitlichen Seehandels in der Ägäis lässt annehmen, dass die Vernichtung des Stützpunktes Akrotiri auf Thera kurzfristig verstärkte Handelsanstrengungen über Alternativrouten ausgelöst hat. Langfristig hätte aber der erhöhte Aufwand den Fernhandel erheblich eingeschränkt, so dass der Niedergang der Minoer indirekt durch den Vulkanausbruch gefördert worden sein kann.[57] Weiter stehen als Ursachen für den Niedergang der Minoer aber andere schwere Erdbeben, der Wegfall von Absatzmärkten für kretische Produkte oder innere Unruhen zur Diskussion. Sicher ist nur, dass schließlich mykenische Herrscher den Palast in Knossos übernahmen. Sie könnten lediglich vom Untergang der minoischen Macht profitiert haben, ohne dass eine militärische Invasion erfolgte.

Die Frage nach dem Untergang der minoischen Kultur, die eine nicht-indogermanische war, fand zu Beginn der Forschungen deshalb großes Interesse, weil die Minoer ohne Verbindung zur späteren Kultur Griechenlands verschwunden zu sein schienen. Die durch Funde auf dem Peloponnes gelungene Entzifferung der Linearschrift B bewies aber die Anwesenheit einer griechisch sprechenden Herrscherschicht in der Nachpalastzeit ebenso wie die einer nichtgriechischen in der Linear-A-Phase. Die grundlegende Kontinuität in der Kultur Kretas über den Umbruch hinweg und der Beitrag der Minoer zur Entstehung des Griechentums werden seitdem immer deutlicher. Da sich auch mythologische Hinweise auf die Geburt des Zeus auf Kreta finden, sind die mit der Entstehung dieser Religion überlieferten Unruhen vielleicht ein Teil der geschichtlichen Wahrheit.

Bevölkerung

Rhytonträger. Teil des „Prozessions-Freskos“ aus Knossos, 1400 v. Chr.

Kreta war für damalige Verhältnisse äußerst dicht besiedelt. Dabei entsprach die Besiedlungsdichte in minoischer Zeit auf dem Land etwa der heutigen, während die Städte deutlich kleiner waren als die modernen. Für Knossos schwanken die Schätzungen zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern.

Viel zitiert ist Homers Beschreibung Kretas in der Odyssee als Land mit 90 Städten und einem bunten Gemisch von Völkern und Sprachen:[58]

Κρήτη τις γαῖ’ ἔστι μέσῳ ἐνὶ οἴνοπι πόντῳ,
καλὴ καὶ πίειρα, περίρρυτος· ἐν δ’ ἄνθρωποι
πολλοὶ ἀπειρέσιοι, καὶ ἐννήκοντα πόληες· -
ἄλλη δ’ ἄλλων γλῶσσα μεμιγμένη· ἐν μὲν Ἀχαιοί,
ἐν δ’ Ἐτεόκρητες μεγαλήτορες, ἐν δὲ Κύδωνες
Δωριέες τε τριχάικες δῖοί τε Πελασγοί· -
τῇσι δ’ ἐνὶ Κνωσός, μεγάλη πόλις, ἔνθα τε Μίνως
ἐννέωρος βασίλευε Διὸς μεγάλου ὀαριστής,

Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere,
Fruchtbar und anmutsvoll und ringsumflossen. Es wohnen
Dort unzählige Menschen, und ihrer Städte sind neunzig:
Völker von mancherlei Stamm und mancherlei Sprachen. Es wohnen
Dort Achaier, Kydonen und eingeborene Kreter,
Dorier, welche sich dreifach verteilet, und edle Pelasger.
Ihrer Könige Stadt ist Knossos, wo Minos geherrscht hat,
Der neunjährig mit Zeus, dem großen Gotte, geredet.

Diese Verse beziehen sich zwar auf eine spätere Epoche, nämlich um 1200 v. Chr., und wurden im späten 8. Jahrhundert v. Chr. schriftlich festgehalten, jedoch könnten bereits in minoischer Zeit verschiedene ethnische Gruppen im Zuge von Handelsverbindungen und kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Insel gelangt sein. Genannt sind die Eteokreter (eingeborene Kreter), Kydonen, Achaier, Pelasger und Dorer (Dorier). Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograf Strabon (etwa 63 v. Chr. bis nach 23 n. Chr.) hält in seinem Werk Geôgraphiká (Γεωγραφικά) die Eteokreter und Kydonen für „wahrscheinlich ureinsässig“, während die Dorer später eingewandert seien.[59] Man geht heute von der dorischen Landnahme auf Kreta nach 1100 v. Chr. aus, also erst in nachminoischer Zeit. Die Achaier werden oft mit den Mykenern gleichgesetzt, die um 1450 bis 1400 v. Chr. die Herrschaft auf Kreta übernahmen und die Nachpalastzeit prägten. Als Pelasger bezeichnet man hingegen nichtgriechischsprachige Gruppen der südlichen Balkanhalbinsel, die möglicherweise die Urbevölkerung Griechenlands darstellten.

Gesellschaft

Fresko aus Knossos

Zweifellos differenzierte sich die minoische Gesellschaft auf dem Weg zur Hochkulturphase sozial (Arbeitsteilung), was zum Beispiel aus unterschiedlichen Grabausstattungen geschlossen wird. Ebenso ist eine ausgeprägte Spezialisierung feststellbar: Es gab Fischer, Ruderer, Kapitäne, Soldaten, Schreiber, Töpfer, Maler, Bauarbeiter, Architekten, Musiker etc. Ungeklärt bleibt aber, worin die soziale Stellung begründet und ob sie erblich war und ob zwischen Freien und Sklaven unterschieden wurde.

Die prominente Darstellung von Frauen, zumindest Priesterinnen, in der minoischen Kunst – typischerweise mit unbedeckter Brust, wobei im Fall der sogenannten Schlangengöttin als bekanntesten Typus minoischer Priesterinnen- oder Göttinnendarstellungen lediglich zwei Funde aus minoischer Zeit stammen, wenigstens 14 Stücke hingegen als moderne Fälschungen zu betrachten sind[60] – hat zu Spekulationen über ein Matriarchat Anlass geboten. Unzweifelhaft hatten Frauen – etwa als Priesterinnen – gesellschaftlich wichtige Funktionen. Aber auch wenn die griechische Überlieferung für eine sehr einflussreiche Position minoischer Frauen spricht, müssen die Fragen nach der Stellung minoischer Frauen und dem Verhältnis der Geschlechter zueinander mangels aussagefähiger Quellen unbeantwortet bleiben.[61]

Kunst und Handwerk

Minoische Kunst Minoische Siegel

Von der Kunstfertigkeit der Minoer zeugen insbesondere die minoischen Palastanlagen in Knossos, Phaistos und Malia. Zahlreiche kunstvolle Wandfresken und filigrane Siegel bezeugen den hohen Entwicklungsstand der minoischen Kultur.

Keramik

Minoische Keramik

Keramik gibt es auf Kreta, wenn auch unbemalt, seit der Jungsteinzeit. Manche Stile wurden daraufhin in der Bronzezeit weitergeführt. Zu den FM I-Stilen gehört der weitgehend aus dem Neolithikum übernommene Pyrgos-Stil, der eine schwarze oder grau glänzende Oberfläche aufweist. Mit dem Agios-Onouphrios-Stil und dem Lenda-Stil entstand auf Kreta erstmals bemalte Keramik. In FM II setzte sich der Agios-Onouphrios Stil in Form des Koumassa-Stils fort und auch Keramik im Lenda-Stil wurde zunächst weiterhin produziert, doch die Periode FM IIB wird vom Vassiliki-Stil dominiert. Am Ende der Vorpalastzeit, in FM III und FM II, entwickelte sich der Hell-auf-Dunkel-Stil, und das bisherige Farbenrepertoire wurde durch rot ergänzt. Auch die Barbotine-Technik ist zu dieser Zeit in Gebrauch.[62]

Die gesamte Altpalastzeit wurde vom Kamares-Stil geprägt, bei dem meist abstrakte, lineare Muster (oft Spiralen) hell auf den matten, schwarzen Grund gemalt wurden. Die meisten und schönsten Stücke wurden in Phaistos und Knossos gefunden. J. Lesley Fitton schrieb über die Bedeutung und Qualität des Kamares-Stils: „Die Funde geben [...] einen beeindruckenden Einblick in Kunst und Handwerk der frühen Palastzeit, denn einige von ihnen stehen für Errungenschaften, die in den folgenden Perioden vielleicht ebenfalls erlangt, jedoch nie übertroffen werden konnten.“[63]

In der Neupalastzeit wandelte sich die Hell-auf Dunkel Bemalung zur Dunkel-auf Hell Bemalung. Bekannte Stile dieser Periode sind der Meeresstil, Flora-Stil, alternierende Stil und der abstrakt-geometrische Stil.

Wandmalerei

Seit dem Neolithikum wurde bereits Putz in der Freskotechnik bemalt. In der frühen Bronzezeit waren Bemalungen hauptsächlich einfarbig rot. Seit Mittelminosch I gibt es allerdings auch Belege für einfache geometrische Muster in Malia und Phaistos. Figürliche Darstellungen sind erst für die Periode MM II nachgewiesen.[64]

Sprache und Schrift

Der minoische Kulturraum umgrenzt auch einen Sprachraum; das Minoische oder auch die minoischen Sprachen wurden auf Kreta und weiteren ägäischen Inseln gesprochen. Sie zählen formal zu den altmediterranen Sprachen, genauer zu den ägäischen Sprachen.[65]

Ältestes Zeugnis für den Gebrauch der Schrift auf Kreta sind in Archanes aufgefundene Siegel aus der Phase MM I. Die Zeichen werden nach dem Fundort als Archanesschrift bezeichnet. Spätere Entwicklungsstufen der Schrift sind das im Norden der Insel vorherrschende hieroglyphische System sowie die parallel existierende Linearschrift A, die auf nicht sehr zahlreichen Tontafelfragmenten und Siegeln überliefert sind. Einzigartig und rätselhaft ist der mit Schriftzeichen versehene Diskos von Phaistos. Sollten die Schriftzeichen, wie vermutet, gestempelt worden sein, stellt dies für die Zeit vor 3700 Jahren eine beispiellose Innovation dar.

Aus der minoischen Linearschrift A leitet sich die von den Mykenern verwendete altgriechische Linearschrift B ab. Die den zunächst hieroglyphisch und später in Linearschrift A abgefassten Textzeugnissen zugrundeliegende minoische Sprache (oder eventuell auch: Sprachen, siehe auch Altmediterrane Sprachen) ist zwar durch Vergleiche mit der griechischen Linearschrift B teilweise lesbar, konnte aber bisher nicht entschlüsselt oder auch nur einer bekannten Sprachfamilie sicher zugeordnet werden. Im Osten Kretas hat sie offenbar bis in historische Zeit überlebt. Es wurden hier einige in griechischen Schriftzeichen abgefasste Inschriften gefunden, deren Sprache als Eteokretisch bezeichnet wird.

Religion

Minoische Religion Minoisches Stier-Rhyton

Zentren kretisch-minoischer Religion bildeten Gipfel- und Höhlenheiligtümer ebenso wie Höhlen. Auch die Paläste, in denen Altare und Hauskapellen gefunden wurden, dürften letztlich kultischen Funktionen gedient haben.

Darstellungen, vor allem auf Siegeln und Ringen, lassen auf die für Ackerbaugesellschaften typische polytheistische Religion schließen. Mögliche Götter und Göttinnen sind in der Natur dargestellte männliche und weibliche Figuren, die als „Herrin“ bzw. „Herr der Tiere“ bezeichnet werden. Auch die in Knossos gefundenen Statuen von „Schlangengöttinnen“ könnten Beispiele für minoische Götter sein. In Mykene gefundene Linear B-Tafeln zählen außerdem neben olympischen Göttern auch zwei andere auf, die „Piptuna“ und „Herrin der Winde“ genannt werden und vielleicht minoischen Ursprungs sind. Die lange Zeit vertretene und von Arthur Evans eingeführte These einer monotheistischen Religion mit einer Muttergöttin gilt deshalb heute als widerlegt, auch wenn es keine eindeutigen Beweise gegen diese Annahme gibt.[66] Möglicherweise war die kretische Religion geschlechtsspezifischer als die spätere griechische. Frauen werden meist mit weiblichen Gottheiten dargestellt, Männer mit männlichen.

In Heiligtümern wurden Votivgaben aus Ton, Bronze und Silber entdeckt, die Miniaturabbildungen von Tieren, Fabelwesen und menschlichen Gliedmaßen darstellen. Abbildungen eines Stieres können als symbolisches Opfer des dargestellten Tieres, ein Fuß als Gebet um Gesundheit des Körperteils interpretiert werden.

Die Bemalung eines in Agia Triada gefundenen Sarkophags zeigt unter anderem eine Opferszene: Mehrere im Profil dargestellte Priesterinnen bringen ein Stieropfer dar. Der Stier wird auf einem separaten Altar (Opfertisch) geschlachtet. Im Hintergrund ist ein Aulosspieler erkennbar. Am rechten Rand des Bildes sind ein Altar, ein mit einer Doppelaxt geschmückter Pfeiler sowie eine Art Schrein mit Doppelhörnern und einem Baum zu erkennen. Diese Elemente finden sich auch in der Levante und so hat die Geschichte mit der „Königstochter Europa“ wohl einen realeren Hintergrund.

Durch neuere archäologische Funde (1979) bei Anemospilia und Knossos sind auch auf Kreta die für vergleichbare Religionen typischen Menschenopfer belegt.

Außenbeziehungen

Die Minoa – Nachbau eines minoischen Schiffes in Chania

Die Minoer waren geschickte Seefahrer und spätere antike Autoren wie Thukydides,[67]Herodot,[68]Aristoteles und Platon berichteten von einer „Thalassokratie“ (Meeresherrschaft) des Königs Minos, der die erste Seemacht im Mittelmeer aufbaute. Seine Stellung übernahmen nach dem Untergang der minoischen Kultur wohl zunächst die Phönizier – allerdings ist die These von der minoischen Seeherrschaft in der Forschung heute nicht mehr unumstritten.[69]

In jedem Fall aber belegen archäologische Funde ein Ausstrahlen der minoischen Kultur im östlichen Mittelmeer (bis Sizilien). Auf der Inselgruppe der Kykladen in der südlichen Ägäis weist die Kykladenkultur der Bronzezeit in Architektur und Kunst starke Bezüge zur benachbarten minoischen Kultur auf, und der auf den Kykladen und an den griechischen Küsten teilweise bis heute vorkommende Ortsname „Minoa“ verweist auf die Anwesenheit von Kretern. Unter kretischem Einfluss standen unter anderem die Inseln Santorin (Thera), Kythera, Rhodos (v. a. Ialysos) und Melos sowie das kleinasiatische Milet, evtl. auch Zypern. Auch wenn Charakter und Ausmaß der politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit von Kreta unterschiedlich gewertet werden, werden diese Außenposten minoischer Kultur manchmal als kretische Handelsstationen bzw. Kolonien angesprochen.

Enge Beziehungen bestanden zu Ägypten. Bis um etwa 1400 v. Chr. finden sich in ägyptischen Gräbern immer wieder Darstellungen kretischer Gesandtschaften. Im ägyptischen Auaris (im Delta) wurde gar ein im minoischen Stil ausgestalteter Palastkomplex vom Beginn der 18. Dynastie freigelegt.[70]

Inschriften in Mesopotamien belegen Kontakte auch in diese Region.

Behauptete direkte Handelskontakte der Minoer bis in die Nordsee gelten als unbewiesen. Die Funde des Ethnologen und Hobbyarchäologen Hans Peter Duerr im nordfriesischen Wattenmeer, die er einem minoischen Schiff zuordnet, wurden von der Fachwelt bisher nicht anerkannt.

Archäologische Stätten

Archäologische Stätten auf Kreta (Auswahl)

  • Agia Photia (wohl minoischer Landsitz; zudem Gräberfeld)
  • Agia Triada (auch: Hagia Triada: minoischer Landsitz bei Phaistos)
  • Agios Georgios (neupalastzeitliche Villa, auch Landsitz)
  • Anemospilia (minoischer Tempel, wahrscheinlich Ort eines Menschenopfers)
  • Archanes (minoischer Palast)
  • Armeni (spätminoisches Gräberfeld)
  • Chalasmenos (spätminoische Siedlung)
  • Chamaizi (altpalastzeitliches Haus)
  • Chania (minoische Stadt, vielleicht Palast)
  • Debla (vorpalastzeitliches Dorf aus FM I, das vielleicht nur saisonal bewohnt war)
  • Diktäische Höhle (auch: Höhle von Psychro: Höhle im Dikti-Gebirge mit Funden aus minoischer Zeit)
  • Eileithyia-Höhle (Kulthöhle mit Funden)
  • Fourni (Nekropole bei Archanes mit minoischen Kuppelgräbern)
  • Fournou Koryfi (vorpalastzeitliche Siedlung)
  • Galatas (minoischer Palast)
  • Gournia (spätminoische Stadt)
  • Idäische Grotte (Höhle im Ida-Gebirge mit Funden aus dem Endneolithikum und der Bronzezeit)
  • Itanos (minoisch/dorische Hafenstadt)
  • Kamares-Höhle (Höhle im Ida-Gebirge mit zahlreichen Funden von Kamareskeramik)
  • Karphi (spät- bis subminoische Siedlung)
  • Katalymata (ehemalige Höhensiedlung bei Pachia Ammos)
  • Kato Zakros (minoischer Palast)
  • Knossos (minoischer Palast)
  • Kommos (minoische Hafenstadt und Villa)
  • Makrygialos (minoischer Landsitz)
  • Palast von Malia (minoischer Palast)
  • Mochlos (minoische Ausgrabung auf der kretischen Insel)
  • Monastiraki (palastartiger Komplex aus der Altpalastzeit)
  • Myrtos (minoische Siedlung und Villa)
  • Nerokourou (minoische Villa)
  • Nirou Chani (minoische Villa)
  • Petras (minoischer Palast)
  • Petsophas (minoisches Gipfelheiligtum)
  • Phaistos (minoischer Palast)
  • Roussolakkos (minoische Stadt)
  • Sklavokampos (minoische Villa)
  • Sybrita (spätminoische Siedlungsgründung)
  • Höhle von Skotino (Kulthöhle südlich von Gouves)
  • Tylissos (minoischer Landsitz)
  • Vathypetro (minoischer Landsitz)
  • Vassiliki (minoische Siedlung)
  • Vassiliki Kephala (spät- bis subminoische Siedlung mit Tempel)
  • Vrokastro (spätminoisch-geometrische Siedlung)
  • Zakros (minoischer Landsitz)
  • Zou (minoischer Landsitz)

Das Archäologische Museum Iraklio stellt die größte Sammlung minoischer Funde aus. Kleinere Sammlungen sind in den regionalen Museen Kretas, zum Beispiel in Chania, Rethymnon, Agios Nikolaos und Sitia, wie auch in den Museen Europas und der USA, z. B. im British Museum (London) und Ashmolean Museum (Oxford), zu sehen.[71]

Minoische Fundstätten außerhalb Kretas (Auswahl)

Amygdaloides minoisches Siegel mit fein eingeschnittenem Segelschiff (oben) und Abdruck (unten) von Tavşan Adası

  • Agia Irini auf Kea (Kykladen)
  • Akrotiri auf Santorin (Kykladen)
  • Alalach in der Levante (Türkei)
  • Auaris im östlichen Nildelta (Ägypten)
  • Ialysos auf Rhodos (Griechenland)
  • Kythira vor dem Peloponnes (Griechenland)
  • Milet an der Westküste Kleinasiens
  • Pavlopetri an der Küste des Peloponnes
  • Phylakopi auf Milos (Kykladen)
  • Punta di Zambrone (Kalabrien)
  • Pylos (Peloponnes)
  • Qatna in der Levante (Syrien)
  • Tavşan Adası an der Ägäisküste Kleinasiens (Türkei)
  • Tel Kabri in der Levante (Israel)

Forschungsgeschichte und Rezeption

Bei der Rekonstruktion der kretischen Funde spielte Emile Gilliéron gemeinsam mit seinem Sohn Emile (1885–1939) eine wichtige Rolle, wobei bei der Wiederherstellung von Fresken und anderen Funden oft „künstlerisch sehr frei“[72][73] vorgegangen wurde.

Obgleich beide etwa bei Rekonstruktionen der Funde von Knossos mitwirkten, entsprechen ihre Ergebnisse dem archäologischen Standard auch jener Zeit nicht;[74] manches steht sogar im Verdacht eine Fälschung zu sein.[60][75]

Auch Evans’ wichtigstes Grabungs- und Rekonstruktionsprojekt, Knossos wird aus Sicht der (zeitgenössischen) Archäologie kritisch gewürdigt; so etwa gaben seine bildhaften Vorstellungen und Metaphern etwa bei der Benennung von freigelegten Räumen in Knossos ebenso Anlass zu Kritik wie auch die Rekonstruktionen selbst, da diese individuellen oder auch dem Zeitgeist entsprechenden Interpretationen in Beton den Zugang für weitere Forschung am Grabungsobjekt (in situ) nahezu unmöglich machen. Durch die fertiggestellten Rekonstruktionen wird darüber hinaus eine Interpretationssicherheit zu den Befunden suggeriert, die sich späteren archäologischen Untersuchungsverfahren im weitesten Sinne versperren.

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